Visionäre  Architektur - 24 spektakuläre Neubauten in Deutschland

KUNSTMUSEUM DIESELKRAFTWERK COTTBUS

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Das ehemalige Dieselkraftwerk in einem der hübschesten Winkel der Altstadt an der Spree ist eine prächtige Industriekathedrale aus der Blütezeit des Expressionismus. Der kongeniale Umbau macht es zu einem der reizvollsten Kunstmuseen im Lande.

Blick ins Foyer
Blick ins Foyer
Der ungewöhnliche Name weist auf das Baudenkmal hin, in dem das Landesmuseum für moderne Kunst sein Domizil fand: eines der schönsten Elektrizitätswerke im Land. 1928 auf der Spreeinsel erbaut, steht es stilistisch an der Grenze vom Expressionismus zur Neuen Sachlichkeit und spiegelt sich fast wie ein romantisches Schloss aus der Schinkelzeit im Mühlteich. Das Kraftwerk blieb im Krieg unversehrt und war noch bis 1959 in Betrieb. Die leer geräumten Industriehallen mit hohen schlanken Fensterbahnen boten faszinierende kathedralenartige Räume, aber zu viel Licht, keine Wärmedämmung und kaum Hängeflächen.

Ehemaliges Maschinenhaus
Ehemaliges Maschinenhaus
Das Haus im Haus
Anderhaltens Antwort auf das Problem war das »Haus-im-Haus«-Prinzip. In die Maschinenhalle und in die Umformerhalle stellte er Betonkuben ein, in denen dann Ausstellungssäle mit optimaler Belichtung und Klimatisierung organisiert werden konnten. Zwei Säle übereinander mit Ober- und Seitenlicht fanden im Maschinenhaus Platz, ein hochformatiger Saal im Umformerhaus. Zwischen Einbauten und historischen Außenwänden entstanden hohe, schlanke Räume mit ganz eigener Atmosphäre, in denen der Kontrast zwischen Alt und Neu erlebt werden kann und die zu besonderen Ausstellungsformen herausfordern.
Das Schalthaus, in dem früher Transformatoren, Hochspannungs-
schalter und Verteileranlagen eingebaut waren, nimmt mit seinen kleineren Räumen die Dauerausstellung auf. Im Erdgeschoss mit kreuzgangartigen Arkaden haben die Mitarbeiter wunderbare Büroräume bezogen. Auch die Cafeteria profitiert von den Arkaden und der reizvollen Aussicht auf den Mühlteich und den Goethepark. Technische Relikte, Stahltüren, Handräder, Inschriften und Isolatoren erinnern an das frühere Leben des Hauses.
Mit einem Kunstkniff haben die Architekten auch die Eingangssituation gemeistert: Der Hof zwischen Umformerhaus und Schalthaus wurde mit einer Betonmauer geschlossen und mit einem Glasdach versehen. Nun ist er taghelles Foyer, Empfang, Treppenhaus, Orientierungs- und Verteilerzone in einem und funktioniert, als ob er schon immer an diesem Ort vorgesehen gewesen wäre.

Architekten: Anderhalten Architekten, Berlin
Eröffnung: 2009  
Lage: Am Amtsteich 15, 03046 Cottbus 
51°45'34.09"N/14°20'19.55"E 
Erreichbar: Straßenbahn-Linie 2  (Hst. Stadthalle) 
Öffnungszeiten: Di.–So 10.00–18.00, Do. bis 20.00 Uhr
Auskunft: www.museum-dkw.de 
 


bildunterschrift
Bildnachweis: Marlies Kross


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